DIE SPRACHE DER FARBEN


Farben sind wichtig für uns Menschen, um uns in unserer Umgebung zurecht zu finden, doch für etliche Tiere und Pflanzen sind sie sogar unentbehrlich, um zu überleben.

Lebewesen haben eine “Farbensprache”, die entsprechend dem Licht und den ihnen eigenen Systemen der Wahrnehmung funktioniert. Verschiedene Farben haben für jedes Lebewesen andere Bedeutungen. Um zu überleben, muss jedes Lebewesen die Sprache der Farben, die in seinem Lebensraum verwendet werden, kennen, denn lebenswichtige Funktionen können nur durch die Anwendung dieser Sprache aufrecht erhalten werden.
Wie aber benutzen Lebewesen diese Farbsprache?



Muttervögel füttern ihre Küken entsprechend den Farben ihrer Schnabeln.

Die Mehrheit der Tiere benötigt Farben, um Nahrung zu finden; Farben, die bei der Bildung von Haut, Schuppen und Fell beteiligt sind spielen aufgrund ihrer Eigenschaften, Hitze zu absorbieren oder zu diffundieren, eine wichtige Rolle für die Kontinuität des Lebens. Zusätzlich nutzen Lebewesen ihre Farben, um sich vor Feinden zu schützen. Dank der Farben, die mit ihrem Lebensraum harmonieren, können sie sich tarnen und sich vor ihren Feinden verstecken. Ihre Farben und Muster können aber auch eine warnende Wirkung auf ihre Feinde haben. Farben helfen Tieren auch, ihre Artgenossen und ihre Jungen zu erkennen. Ein Muttervogel zum Beispiel versteht anhand der Farbe ihrer Schnäbel, ob ihre Jungen Futter brauchen oder nicht. Ähnlich erkennen die Jungen auf diese Weise ihre Mutter und verstehen, dass das Futter angekommen ist.16 Wie man anhand dieser Beispiele aus der Natur ersehen kann, müssen Lebewesen die Bedeutung der Farben kennen, um zu überleben. Um dieses Wissen zu erwerben, müssen sie geeignete Wahrnehmungssysteme besitzen.

Wenn sie diese Systeme nicht hätten, wären sie nicht in der Lage, ihre Umgebung adäquat wahrzunehmen und ihre lebenswichtigen Aktivitäten auszuführen. Sie wären nicht in der Lage, ihre Nahrung zu erkennen und ihre Feinde zu bemerken, wären also für diese eine leichte Beute.

Niemand kann behaupten, dass ein solch hoch entwickeltes System durch Zufall entstanden sein könnte. Jedes System, jede Harmonie, jedes Design, jedes Programm, jeder Plan, jedes Gleichgewicht muss von einem Designer geschaffen werden. Es gibt einen höheren Willen und eine höhere Kraft, die diese Harmonie in die Lebewesen und ihre Lebensräume gesetzt hat. Der Inhaber dieser Macht umfasst die Umgebung, das Lebewesen selbst und die Systeme, die es benutzt, mit höherem Wissen. Der Besitzer dieser Macht ist Gott, der Herr der Welten.

Wenn wir die Lebewesen betrachten, sehen wir, wie geschickt sie die Sprache der Farben auf verschiedenen Gebieten einsetzen.



Gott erschafft alle Farbe auf Erden. Der Himmel, die Berge, Früchte, Schmetterlinge, Äpfel, Orangen, Papageien, Fasanen, Weintrauben, Bäume, alles, was Sie in ihrer Umgebung sehen, ist von besonderer Farbe, denn Gott will es so. Gott erwähnt diese Tatsache in einem Vers wie folgt:

(Es gibt) auch Menschen, Tiere und Vieh von unterschiedlicher Farbe. Aber nur die Wissenden unter Seinen Dienern fürchten Gott. Gott ist fürwahr mächtig, verzeihend. (Sure 35:28 – al-Fatir)
Tarnung



Ein Grashüpfer, der die Farbe der Rinde des Baumes auf der er sitzt, angenommen hat. Die Tarnung des Grashüpfers ist so perfekt, dass sogar die Muster der Flechten auf ihm zu sehen sind. Dies ist eine perfekte Schöpfung Gottes.

Tarnung ist eine der wirksamsten Verteidigungstaktiken, die Tiere verwenden. Sich tarnende Tiere befinden sich aufgrund ihrer Körperstrukturen, die in großartiger Harmonie mit ihrem Lebensraum geschaffen sind, unter einem besonderen Schutz. Die Körper dieser Tiere sind so harmonisch in ihre Umgebung eingefügt, dass es fast unmöglich ist festzustellen, ob sie Pflanzen oder Tiere sind.

Die Lebewesen, die ihre Farben gemäß ihrer Umgebung anpassen, haben schon immer die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern auf sich gezogen. Die Forschung konzentriert sich darauf, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie ein Lebewesen genauso aussehen kann wie ein Geschöpf, das eine komplett andere Struktur hat.

Haben Sie zum Beispiel jemals darüber nachgedacht, wie ein Frosch, den Sie, während sie im Garten umher gegangen sind, für ein Blatt hielten und erst im letzten Moment vermeiden konnten, auf ihn zu treten, dazu gekommen ist, diese Muster und Farben zu besitzen? Tarnung ist ein sehr wichtiger Verteidigungsmechanismus für einen Frosch. Der Frosch, verbirgt sich vor seinen Feinden, da er durch seine Tarnung unbemerkt bleibt.
Während eine Spinne auf einer rosa Blume die verschiedenen Rosatöne der Blume annehmen kann, ist es einer anderen Spinne derselben Art möglich, sich der Farbe einer anderen Blume, zum Beispiel gelb, anzupassen, wenn sie auf diese hinauf krabbelt.
Während jemand einen Zweig anschaut und denkt, dass sich nichts auf ihm befindet, kann plötzlich ein Schmetterling von ihm wegfliegen. Dieser Schmetterling, der vor einer Sekunde genau wie ein vertrocknetes Blatt des Zweiges im Herbst aussah, ist ein perfektes Beispiel für das Wunder der Tarnung.

Die Ähnlichkeit von Lebewesen mit Objekten, auf denen sie sich befinden, verhindert, dass ihre Feinde sie bemerken. Es ist offensichtlich, dass diese sich tarnenden Geschöpfe nicht auf ihre eigene Initiative hin wie Blätter, Zweige oder Blumen aussehen. Darüber hinaus sind sie sich nicht einmal bewusst, dass sie durch diese Ähnlichkeit geschützt werden. Nichtsdestotrotz verwenden sie ihre Tarnung sehr geschickt. Ein Insekt, das die gleiche Farbe wie eine Blume hat, eine Schlange, die sich starr hält wie der Ast eines Baumes, ein Frosch, der die Farbe von nassem Boden annimmt, kurz, alle sich tarnenden Geschöpfe sind Beweise, die zeigen, dass die Tarnung eine besonders erschaffene Verteidigungstechnik ist.

Kein Lebewesen kann eine solche Aufgabe selbst leisten. Es ist Gott, der Allwissende und Weise, Der den Lebewesen die Fähigkeit verleiht, sich zu tarnen und den chemischen Prozess in sie einpflanzt, durch den sie ihre Farbveränderung ausführen.


Ihn preisen die sieben Himmel und die Erde und wer immer darin ist. Nichts, das Ihn nicht lobpreist! Doch versteht ihr ihre Lobpreisung nicht. Siehe, Er ist nachsichtig und verzeihend. (Sure 17:44 – al-Isra’)

Die Spezies Misumena varia der Krabbenspinnen, die man links sieht, kann je nachdem, auf welcher Blume sie landet, verschiedene Farben von gelb bis weiß annehmen. Die Spinnenart, die man oben sieht, hört erst dann auf sich zu bewegen, wenn die Farbe und die Gestaltung der Pflanze bestmöglichst geeignet sind, sie zu verstecken.


Auf dem Foto links sind zwei Myriapoden, die eine fast identische Färbung wie die Pflanze haben, auf der sie leben. Auf diese Weise werden sie vor ihren Feinden geschützt.


Einige Insektenarten schützen sich durch Gruppentarnung vor ihren Feinden. Phiatids, eine Spezies der tropischen Hemiptera, die man in Madagaskar findet, hat zum Beispiel volle und brilliant farbige Flügel. Wenn sie wie auf diesem Foto auf einem Zweig sitzen, gleichen sie einer Infloreszenz. Dies täuscht den Jäger, der nach Insekten Ausschau hält.

Der Gepard ist nicht leichter vom hohen Gras zu unterscheiden, denn hunderte von kleinen Punkten lösen die Linien auf dem Körper des Tieres auf. Das helle Sonnenlicht betont die schwarzen Punkte des Gepards, was den „gebrochenen“ Effekt der Körperkonturen erhöht.

Im trockenen Gras der Savanne ist eine jagende Löwin fast unsichtbar, da die Farben der Löwin dazu tendieren, mit der Umgebung zu verschmelzen.


Tarnung beschränkt sich nicht nur auf der Oberfläche der Haut. Die Muskeln einiger Froscharten, die in den tropischen Wäldern Südamerikas leben, sind farbig. Das Blut enthält Sauerstoff befördernde Zellen. Deshalb finden zur Tarnung notwendige Veränderungen nicht nur an der Hautoberfläche, sondern auch im Körper statt.

Auf dem Bild links ist ein Frosch, der seine Farbe nach den Wetterbedingungen verändert.

Tote Zweige und Blätter werden dunkel, wenn sie nass sind. Auf gleiche Weise verändern auch Frösche und Kröten bei nassem Wetter ihre Farbe, sie werden dunkler. Diese Veränderung stellt sicher, dass sie zwischen den Zweigen und Blättern gut getarnt bleiben. Es ist nicht unmöglich, dass diese erstaunliche Harmonie Zufall ist.

Ein kleiner, laubartig aussehender Frosch verschmilzt mit dem Untergrund eines Waldes in Malaysia. Der Frosch ist am besten getarnt, wenn er von oben gesehen wird – das ist der Winkel, aus dem der Feind ihn am wahrscheinlichsten sieht. Auf dem Bild rechts ist ein Frosch einer anderen Spezies, der als Teil des Baums erscheint. Es ist äusserst schwierig, diese beiden Kreaturen von der Umgebung zu unterscheiden.

Bei Tag oder während der Stunden, wenn die Feinde am aktivsten sind, bleiben die meisten mimetischen Tiere bewegungslos. Selbst die kleinste Bewegung könnte ihren Aufenthaltsort verraten. Der sensorische Apparat der Feinde ist extrem sensibel für Bewegungen. Zum Beispiel ist dieser brasilianische Grashüpfer nicht von den Grashalmen zu unterscheiden, auf denen er landet.

Die Muster des Grashüpfers unten sind denen eines parasitären Pilzes auf Blättern sehr ähnlich. Da seine langen Beine die Anwesenheit des Grashüpfers verraten könnten, sind sie, wie man bei diesem Grashüpfer hier sehen kann, zusätzlich beinahe transparent. Sicherlich wählen die Tiere ihre Tarnungen, die so perfekt sind, dass sie nicht einmal die trockenen und faltigen Teile eines Blattes auslassen nicht bewusst aus. Gott, Der alles perfekt erschafft, erschuf die Grashüpfer.

Auf den Fotos sieht man Grashüpfer, die Blätter nachahmen. Wie man auf den Fotos sieht, haben diese Grashüpfer, wie die allgemeinen Strukturen der Blätter auch, eine zentrale Ader und zwei symmetrische Hälften.

Auf dem oberen linken Foto ist eine Fangheuschrecke, die zwischen den rosa Blumen fast unsichtbar ist. Im Gegensatz zur Mehrheit der Fangheuschrecken, deren Körper ein langes, schmales erstes Segment hat, hat dieses Segment bei der costaricanischen Spezies (das große Foto) ein anderes Aussehen, das den Blättern, auf denen diese Fangheuschrecke lebt, ähnelt.

Rechts ist eine Gespenstheuschrecke dargestellt. Gespenstheuschrecken tarnen sich, um ihren Feinden zu entkommen. Mimetische Fähigkeit jedoch ist nicht auf die ausgewachsenen Insekten der Myriapode beschränkt; auch die Eier sind getarnt. Auf dem Boden sehen sie fast wie Gemüsesamen aus. Kein Lebewesen kann selbstständig Farben in seinem Körper erzeugen, die seiner Umgebung entsprechen oder seine Gestalt der einer anderen Spezies anpassen. Gott, der Schöpfer, hat allen sich tarnenden Geschöpfen diese Eigenschaften gegeben.


Der australische Gecko lebt gewöhnlich in der Nähe von Bäumen und ähnelt deren Rinde sehr. Er zeigt selten seinen fahlen Unterleib. Selbst die Augen dieser Eidechse sind gut getarnt. (Links) Im Fall dieses Leopardengeckos aus Pakistan imitiert nur die obere Körperhälfte den Untergrund, auf dem er entdeckt werden könnte. Der Unterleib ist fast weiß, denn das kleine Reptil ist immer darauf bedacht, diesen besonderen Teil seines Körpers nicht zu enthüllen.

 

ANMERKUNGEN
David Attenborough, The Life of Birds, Princeton University Press, New Jersey, 1998
Marco Ferrari, Colors for Survival, Barnes and Noble Books, New York, 1992
Jill Bailey, Mimicry and Camouflage, BLA Publishing Ltd., England, 1988, S. 17